2007 - Alpen X | Auszug aus dem Logbuch - Tag 3  |  Naturns -> Stettiner Hütte, 21 km -  2550 hm
Trail-Auswahl Trail-Auswahl

„Heute steht die Königsetappe an: 2500 hm und 50 km, von Naturns (530 hm) hoch zum Eisjöchl (2895hm) und hinunter nach Moos (1000 hm).

      Das Wetter wird uns aber im Laufe der Tour einen Strich durch die Rechnung machen – es soll ein Tag werden, der sich nachhaltig im

     Gedächtnis einbrennt. Los geht es erstmal auf Asphalt hoch zur Jägerrast (1693 hm). Wir müssen die Straße nehmen, da kein anderer

    vernünftiger Weg hoch in das Pfossental führt. Dafür läuft es hervorragend und wir gewinnen schnell an Höhe. Bei Katharinaberg (1082 hm)

   zweigt die Straße rechts ab ins Pfossental und Rampen mit bis zu 20% Steigung lassen den Puls auf Anschlag hochdrehen.“

Die Geschichten-Onkels:

Angekommen an der Jägerrast (1693 hm) legen wir eine kurze Pause ein, gönnen uns einen Teller Pasta und ziehen weiter. Ab der

Jägerrast (1693 hm) ändert sich der Untergrund, jetzt beginnt die Schotterphase. Vorbei an der Mitterkaser Alm (1943 hm)

schlängelt sich der Fahrweg hoch zum Eishof (2071). Bis jetzt liegen wir im Zeitplan, der wieder einsetzende Regen und der Blick

in die Texelgruppe lassen uns jedoch Böses erahnen. Ab dem Eishof (2071) wird der Weg zum Pfad und mit jedem Höhenmeter

wird der Weg steiler und verblockter.“

Das Fahren haben wir zwischenzeitlich eingestellt und auf den Wandermodus umgestellt. Bei 2500 hm schlägt der Regen um in Schnee,

   das Thermometer zeigt 5 Grad. Hinzu gesellt sich ein stürmischer Wind, der mit zunehmender Höhe immer heftiger wird und die Temperatur

     auf 1 Grad fallen lässt. Die ersten Zweifel kommen auf, ob wird den Zeitplan halten können. Zudem zehren Kälte und Nässe gewaltig an

     unseren Kraftreserven. Ab 2700 hm stapfen wir nur noch apathisch durch den Schnee. Den Plan, noch ab nach Moos zu fahren haben 

    wir aufgegeben. Wir wollen nur noch die Stettiner Hütte (2875 hm) erreichen und uns dort für die Nacht einnisten. Die letzen Höhenmeter

   zum Eisjöchl (2895 hm) werden zur Qual. Kälte und Erschöpfung halten uns davon ab, einfach anzuhalten und die nassen Klamotten

gegen Ersatzkleidung zu tauschen  – im Nachhinein betrachtet ziemlich bescheuert, aber der Kopf sagt weiter, bloß nicht anhalten.“

Dann so etwas wie die Erlösung: Der Scheiteltunnel am Eisjöchl (2895 hm) ist erreicht, nur noch durch und die letzten Meter runter

zur Hütte. Und dann die große Keule: der Tunnel ist eingestürzt. In den Recherchen zur Tour war hierzu kein Hinweis zu finden, für

uns ein Tiefschlag. Jetzt schließen die Synapsen richtig kurz. Was da in den Gehirnwindungen vorgeht, ist schwer in Worte zu

fassen. So ganz trauen wir unseren Sinnen nicht, gehen noch mal in den Tunnel hinein, vielleicht gibt es ja doch einen Durch-

gang, oder einen Geheimgang, was auch immer. Oder vielleicht hilft ein „Sesam öffne dich“. Letztendlich kommen wir zu der

Entscheidung, dass wir über den Grat klettern müssen. Soll heißen, 10 Meter hoch über verschneites und mit Eisplatten bewehrtes

Geröll. Irgendwie kommen wir oben auf dem Grat an – stehen praktisch auf der Tunneldecke.“

Endlich, die Hütte im Blickfeld, nur wie kommen wir hier wieder runter. Wir finden Fußspuren im Schnee und folgen diesen

    rechts zu einer Felsnadel. Dort gibt es einen Abstieg zurück auf den ursprünglichen Weg zur Stettiner Hütte, die wir vollkommen fertig

     gegen 18:00 Uhr erreichen. Betten sind glücklicherweise noch genug frei, also rauf auf die gute Stube, Klamotten tauschen und nach

    diversen Bechern Tee und einem ausreichenden Abendessen kehren langsam die Lebensgeister wieder zurück. Mit etwas Abstand

   betrachtet war es ein Wahnsinnstrip und beim Erzählen über diesen Tag gibt es heute noch Endorphinschübe. Auf jeden Fall war es

  ein Lehrstück was alpine Wetterumstürze angeht, ziemlicher Bullshit. Hätte schief gehen können - zwei neue Ötzis.“

2007 - Alpen X | Auszug aus dem Logbuch - Tag 3  |  Naturns -> Stettiner Hütte, 21 km -  2550 hm

Die Geschichten-Onkels:

Angekommen an der Jägerrast (1693 hm) legen wir eine kurze Pause ein, gönnen uns einen Teller Pasta und

ziehen weiter. Ab der Jägerrast (1693 hm) ändert sich der Untergrund, jetzt beginnt die Schotterphase.

Vorbei an der Mitterkaser Alm (1943 hm) schlängelt sich der Fahrweg hoch zum Eishof (2071). Bis jetzt liegen

wir im Zeitplan, der wieder einsetzende Regen und der Blick in die Texelgruppe lassen uns jedoch Böses

erahnen. Ab dem Eishof (2071) wird der Weg zum Pfad und mit jedem Höhenmeter wird der Weg steiler und verblockter.“

Das Fahren haben wir zwischenzeitlich eingestellt und auf den Wandermodus umgestellt. Bei 2500 hm schlägt der

       Regen um in Schnee, das Thermometer zeigt 5 Grad. Hinzu gesellt sich ein stürmischer Wind, der mit zunehmender

         Höhe immer heftiger wird und die Temperatur auf 1 Grad fallen lässt. Die ersten Zweifel kommen auf, ob wird den

         Zeitplan halten können. Zudem zehren Kälte und Nässe gewaltig an unseren Kraftreserven. Ab 2700 hm stapfen wir

        nur noch apathisch durch den Schnee. Den Plan, noch ab nach Moos zu fahren haben wir aufgegeben. Wir wollen nur

       noch die Stettiner Hütte (2875 hm) erreichen und uns dort für die Nacht einnisten. Die letzen Höhenmeter zum

     Eisjöchl (2895 hm) werden zur Qual. Kälte und Erschöpfung halten uns davon ab, einfach anzuhalten und die nassen

Klamotten gegen Ersatzkleidung zu tauschen  – im Nachhinein betrachtet ziemlich bescheuert, aber der Kopf sagt weiter,

bloß nicht anhalten.“

Dann so etwas wie die Erlösung: Der Scheiteltunnel am Eisjöchl (2895 hm) ist erreicht, nur noch durch und die letzten

Meter runter zur Hütte. Und dann die große Keule: der Tunnel ist eingestürzt. In den Recherchen zur Tour war

hierzu kein Hinweis zu finden, für uns ein Tiefschlag. Jetzt schließen die Synapsen richtig kurz. Was da in den

Gehirnwindungen vorgeht, ist schwer in Worte zu fassen. So ganz trauen wir unseren Sinnen nicht, gehen

noch mal in den Tunnel hinein, vielleicht gibt es ja doch einen Durchgang, oder einen Geheimgang, was auch

immer. Oder vielleicht hilft ein „Sesam öffne dich“. Letztendlich kommen wir zu der Entscheidung, dass wir über

den Grat klettern müssen. Soll heißen, 10 Meter hoch über verschneites und mit Eisplatten bewehrtes Geröll. Irgendwie

kommen wir oben auf dem Grat an – stehen praktisch auf der Tunneldecke.“

Endlich, die Hütte im Blickfeld, nur wie kommen wir hier wieder runter. Wir finden Fußspuren im Schnee und folgen

   diesen rechts zu einer Felsnadel. Dort gibt es einen Abstieg zurück auf den ursprünglichen Weg zur Stettiner Hütte,

     die wir vollkommen fertig gegen 18:00 Uhr erreichen. Betten sind glücklicherweise noch genug frei, also rauf auf

   die gute Stube, Klamotten tauschen und nach diversen Bechern Tee und einem ausreichenden Abendessen kehren

  langsam die Lebensgeister wieder zurück. Mit etwas Abstand betrachtet war es ein Wahnsinnstrip und beim Erzählen

über diesen Tag gibt es heute noch Endorphinschübe. Auf jeden Fall war es ein Lehrstück was alpine Wetterumstürze

angeht, ziemlicher Bullshit. Hätte schief gehen können - zwei neue Ötzis.“

 „Heute steht die Königsetappe an: 2500 hm und 50 km, von Naturns (530 hm) hoch zum Eisjöchl (2895hm) und hinunter

       nach Moos (1000 hm). Das Wetter wird uns aber im Laufe der Tour einen Strich durch die Rechnung machen – es

    soll ein Tag werden, der sich nachhaltig im Gedächtnis einbrennt. Los geht es erstmal auf Asphalt hoch zur

   Jägerrast (1693 hm). Wir müssen die Straße nehmen, da kein anderer vernünftiger Weg hoch in das Pfossental führt.

  Dafür läuft es hervorragend und wir gewinnen schnell an Höhe. Bei Katharinaberg (1082 hm) zweigt die Straße rechts

ab ins Pfossental und Rampen mit bis zu 20% Steigung lassen den Puls auf Anschlag hochdrehen.“